Barbara – Ikone der Versöhnung und Völkerverständigung

Die französische Chansonnière Barbara trug wie keine andere Künstlerin in der Nachkriegszeit zur Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland bei.

Als Kind einer jüdischen Familie wurde sie am 9. Juni 1930 in Paris geboren. Ihr Vater stammte aus dem Elsass, ihre Mutter aus Odessa. Als Barbara 10 Jahre alt war, floh die Familie mit 4 Kindern aus dem von deutschen Truppen besetzten Teil Frankreichs. Die Familie fand nach mehreren Stationen schließlich Unterschlupf in Südfrankreich, wo sie sich bis 1944 vor dem Vichy-Regime verstecken musste. Barbara war musikalisch außerordentlich begabt, was man schnell erkannte, sodass sie bereits früh Klavier- und Gesangsunterricht erhielt. Mit 17 Jahren schrieb sie sich selbst am Pariser Konservatorium ein und studierte klassische Musik. Die Kunst des Chansons hatte es ihr angetan: Zunächst sang sie im privaten Kreis Chansons von Édith Piaf und Juliette Gréco, als sie in Paris Jaques Brel und George Brassens kennenlernte, auch Lieder dieser Künstler. Aber sie schrieb auch eigene Stücke, mit denen sie zunehmend in Konzerten auftrat. Der Durchbruch kam 1965 mit dem Album Barbara chante Barbara. Sie galt als eine der ersten Künstlerinnen, die ihre eigenen Stücke vortrugen, was zu der Zeit noch sehr ungewöhnlich war.

Ein Jahr zuvor, 1964, war ein besonderes Jahr für Barbara, was die Inhalte ihrer Lieder und ihre Persönlichkeit fortan prägen sollte: Im Hochsommer eben jenes Jahres hatte sie einen Gastauftritt am Jungen Theater Göttingen. Die Eindrücke, die sie dort sammelte, flossen seitdem in ihre Arbeit ein. Ihren Chanson Göttingen wollte sie selbst als Beitrag zur Völkerverständigung nach den eigenen Erfahrungen des 2. Weltkriegs verstanden wissen. Tatsächlich erfreute sich das Stück in Frankreich großer Beliebtheit und machte Göttingen auch als Universitätsstadt über die Landesgrenzen hinweg bekannt.

Die Stadt Göttingen dankte es der Künstlerin in mehrfacher Hinsicht: 1988 erhielt Barbara die Ehrenmedaille der Stadt, 2002 wurde an der ehemaligen Spielstätte des Jungen Theaters Göttingen eine Ehrentafel enthüllt und an demselben Tag die Barbarastraße eingeweiht.

Selbstverständlich wissen Sie längst, dass „Barbara“ nicht der richtige Name dieser Künstlerin ist. Wie ihr Geburtsname lautet, finden Sie in unserem kleinen Quiz heraus. Viel Spaß!

Foto: Picture Alliance